Vom Himalaya in die Alpen: Kieren D’Souza vor seinem ersten 100-Meiler

text: laura damnitz | titelbild: dennis pasin/vitesse

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6.500 Kilometer liegen zwischen seiner Heimat im Himalaya und den italienischen Alpen. Für Kieren D’Souza ist diese Reise weit mehr als ein Ortswechsel: Beim Adamello Ultra Trail stellt sich der 33-jährige Inder seiner bisher größten Herausforderung – seinem ersten 100-Meilen-Trailrennen.

Dass Trailrunning keine Grenzen kennt, zeigt sich beim diesjährigen Adamello Ultra Trail besonders eindrucksvoll. Mit Kieren D’Souza geht einer der bekanntesten Trailrunner Indiens an den Start und bringt eine außergewöhnliche Geschichte mit nach Italien.

 

D’Souza wurde in Bilaspur geboren und lebt heute in Manali am Fuß des Himalaya. In seiner Heimat gilt er als einer der Wegbereiter des Trailrunnings. 2016 schrieb er Geschichte, als er als erster Inder den legendären Spartathlon finishte. Bei den Trail-Weltmeisterschaften schaffte er es als erster indischer Läufer in die Top 100. Außerdem hält er den Fastest Known Time (FKT) am 5.289 Meter hohen Friendship Peak.

 

Nun wartet eine neue Premiere: 100 Meilen – rund 161 Kilometer – im alpinen Gelände.

Die Suche nach dem richtigen 100-Meiler

Schon seit Oktober des vergangenen Jahres beschäftigte sich D’Souza mit der Frage, wo er sein erstes Rennen über die klassische Ultradistanz bestreiten möchte. Gemeinsam mit seinem Coach Robbie Britton, der selbst bereits beim Adamello Ultra Trail am Start war, nahm die Suche schließlich konkrete Formen an.

 

Entscheidend war dabei nicht nur die Distanz.

„Ich bin immer fasziniert davon, welcher Route ein Trail folgt, von der Community, vom Ort des Rennens“, erklärt D’Souza. Sein Coach habe ihm mehrere Rennen vorgeschlagen – der Adamello Ultra Trail sei dabei sofort aufgefallen.

 

Die Entscheidung fiel schließlich leicht: Die Strecke, die Landschaft und die Geschichte hinter dem Rennen passten genau zu dem, was er suchte.

Bild: Emanuel Montini

161 Kilometer durch Geschichte

Der Adamello Ultra Trail ist dabei nicht irgendein alpines Rennen. Die Strecken führen entlang historischer Wege des Ersten Weltkriegs, darunter alte Saumpfade, die vor mehr als 100 Jahren entlang der damaligen österreichisch-italienischen Front angelegt wurden.

 

Bis auf knapp 2.700 Meter Höhe geht es hinauf zum Passo dei Contrabbandieri. Für D’Souza ist diese historische Dimension etwas Besonderes.

Schon beim Blick auf die Streckenkarte erkennt er, was auf ihn zukommt: steile Anstiege, anspruchsvolle Abstiege und ein ständiges Auf und Ab. Gleichzeitig reizt ihn gerade diese Verbindung aus sportlicher Herausforderung und Geschichte.

 

Für ihn ist der Lauf deshalb auch eine Gelegenheit, mehr über die Region zu lernen und die Geschichte der Wege zu verstehen, auf denen er unterwegs sein wird.

Einen Monat mitten in den Alpen

D’Souza wollte den Adamello Ultra Trail nicht einfach nur für ein Rennwochenende besuchen. Er hat sich bewusst dafür entschieden, den gesamten September in der Region zu verbringen.

 

Inzwischen hat er eine Unterkunft in Edolo in der Provinz Brescia gefunden. Von dort aus erkundet er die Berge und Trails der Umgebung – und damit auch viele Passagen der späteren Rennstrecke.

„Ich hoffe, in diesem Monat mehr über die Region zu lernen und die Menschen, ihre Gemeinschaft und ihre Traditionen kennenzulernen“, beschreibt er seinen Plan.

 

Eine erste Gelegenheit dazu bot sich bereits beim Adamello Vertical Kilometer am 13. September. Dort konnte er nicht nur erste Eindrücke von den Trails sammeln, sondern auch die besondere Gastfreundschaft des Valle Camonica erleben.

Bild: Maurizio Torri 

Zwei Pioniere treffen aufeinander

Die Geschichte von Kieren D’Souza passt erstaunlich gut zum Adamello Ultra Trail. Denn beide stehen auf ihre eigene Art für Pioniergeist. Der heutige Adamello Ultra Trail entstand aus dem früheren Red Rock Sky Marathon, der bereits lange vor der offiziellen Geburt des #AUT die Trails der Alta Valle Camonica erschloss.

 

D’Souza wiederum arbeitet seit Jahren daran, Trailrunning in Indien bekannter zu machen und neue Wege für den Sport in seiner Heimat zu eröffnen.

 

Dass nun ein indischer Spitzenläufer nach Italien reist, um ausgerechnet hier seinen ersten 100-Meiler zu laufen, ist deshalb mehr als eine interessante internationale Randnotiz. Es zeigt, wie sehr sich Trailrunning inzwischen zu einer weltweiten Sportgemeinschaft entwickelt hat.

D’Souza selbst sieht seine Teilnahme allerdings weniger als persönliche Bühne, sondern als Teil dieser Entwicklung.

 

Er freut sich darüber, dass mit Indien ein weiteres Land auf der internationalen Teilnehmerliste des Adamello Ultra Trail vertreten ist. Gleichzeitig betont er, dass die eigentliche Arbeit bei den Organisatoren und den Menschen vor Ort liegt, die es ermöglichen, dass Läufer aus aller Welt diese Landschaft, Kultur und Natur erleben können.

Bild: Thomas Martini

Über 1.000 Anmeldungen - zum zweiten Mal in Folge

Auch abseits von D’Souzas Geschichte gibt es beim Adamello Ultra Trail einen Grund zum Feiern: Zum zweiten Mal in Folge haben sich mehr als 1.000 Teilnehmer für die vier Distanzen angemeldet.

Vom 25. bis 27. September 2026 stehen vier Rennen auf dem Programm:

  • 170 km – Ultra Trail
  • 100 km – Adamello Trail
  • 60 km – Half Trail
  • 35 km – kürzere Trail-Distanz

Start und Ziel befinden sich – mit Ausnahme der 35-Kilometer-Strecke – im Centro Eventi in Vezza d’Oglio. Die 35 Kilometer starten in Monno.

 

Am Freitag, 25. September, fällt um 8:00 Uhr der Startschuss für den 100-Kilometer-Lauf. Um 9:00 Uhr folgt der 170-Kilometer-Ultra Trail, um 10:00 Uhr der 60-Kilometer-Lauf. Die 35 Kilometer werden am Samstag um 14:00 Uhr gestartet.

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